Online Mastering: Landr.com – Kostenlos zum Megatrack?

Musik ist seit je her immer mit einem subjektives Empfinden verbunden.Mit all den tausenden Möglichkeiten seine eigene Kreation der Welt im Netz zu präsentieren, hat es nicht lange gedauert, bis ein pfiffiges Startup die Idee hatte ein Online-Mastering-Tool der Netzgemeinde zur Verfügung zu stellen. Da ich selber hin und wieder einige Tracks raushaue und auch gerne die Techniker und Tüftler um ihren Job und ihr Talent beneide, hab ich es selber bis dato noch nicht geschafft Bootlegs in der gewünschten Qualität zu perfektionieren. Es ist einfach ein hartes Stück Arbeit und ich respektiere jeden Menschen, der sich diesem Thema widmet.

Nichtsdestotrotz habe ich mir mal Landr.com angeschaut. Eine simple Webseite mit einem riesigen Feature. Ihr könnt kostenlos ein sogenanntes Mastering eurer Tracks in Anspruch nehmen. Keine Hacken, keine Ösen. Einfach registrieren, Track in der gewünschten Qualität exportieren (WAV, 48khz, 24Bit sind erlaubt – und die Seite empfiehlt bei -4/-5 db das unkomprimierte Master einzupegeln), hochladen. Am Ende bekommt ihr einen kurzen Preview zum gegenhören und ein MP3 in 128kb/s. Nicht die Welt, aber für das große weite WWW sollte es reichen. Dazu gibt es einen Intensity-Parameter. Gerade in der heutigen Zeit, wenn Dance und Big Room Nummer sich versuchen in der Lautstärke künstlich zu zerschlagen, sicherlich von nöten. Hust. Röchel. Kotz.

Die Seite verspricht laut der Support-FAQ nicht einfach nur einen Limiter über den Track laufen zu lassen, sondern einen hoch komplexen Algorithmus dafür zu nutzen. Da bin ich mal gespannt! Bei meinem ersten Versuch einen eigenen Dancetrack zu mastern ist grandios gescheitert. Ich hatte bereits relativ laut eingepegelt und der rohe Mix an sich klang auch noch nicht frisch. Da ich keine Wunder erwartet habe, war ich auch am Ende nicht enttäuscht. Landr.com kann genauso wenig wie ein echter Soundengineer Wunder vollbringen. Für meine Versuchszwecke hat es aber gereicht. Das Beispiel erklärt sich von selber. Einfach mal gegenhören:

Nun denn: Ich will bei sowas ja nicht direkt aufgeben und hab mir ein relativ schlecht klingendes Bootleg meinerseits ausgesucht. Der Beat an sich ist zwar krisp und satt, doch hab ich den Track in meinem alten Studiosetup mit meinen eigenen Möglichkeiten abgemischt. Der perfekte Mix war es nun wirklich nicht  und die Vocalspur ist nur ein DIY-Acapella mit ziemlich fiesen Fragmenten. Also rein ins DAW, alle Kompressoren und Limiter von der Masterspur runter, den Mix einwenig nachjustieren. Die -4db Grenze anpeilen und in höchster Qualität exportieren.

Auf Landr.com hab ich dann die mittlere Intesität gewählt. Meiner Meinung nach hätte ich auch die niedrige Einstellung nutzen können, aber wahrscheinlich wären die Unterschiede nicht deutlich genug gewesen. Nach ca. 10 Minuten hab ich nun den Track auf der Festplatte und was soll ich sagen? Für einen schnellen 128k Mix klingt das Teil gut. Wieder angemerkt, Landr.com hat keine Wunder vollbracht, aber beim Gegenhören spürt man deutlich die Power hinter dem Dienst. Aber hört lieber selber.

Die Frage ist nun, reicht es für einen professionelles Mastering?
Ich finde „jein“. Als DJ ist man immer getrieben den optimalen Sound bei eigenen Bootlegs und Remixen zu bekommen. Auch die besten Tools und Soundplugins benötigen eine gewisse Einarbeitungszeit. Wie ihr auch meiner Originalfassung von meinem Bootleg entnehmen könnt, ist dies auch sicherlich nicht immer von Erfolg gekrönt. Schnell ist der Limiter zu aggressiv, der Mix zu matschig, der Kompressor falsch eingestellt und was auch immer noch alles sich an Fehlerquellen sich noch einschleichen will und kann. Je mehr Werkzeuge an der Hand sind, desto mehr Mist kann man als ungeübter einbauen. So ist Landr.com sicherlich eine gute, einfach und auch ziemlich schnelle Lösung. Vor allem bei den Massen an Material auf Soundcloud und Co. ist es sehr von Vorteil, wenn es auch gescheite Lösungen von Dienstleistern gibt, die kreative Lösungen für die Alltagsprobleme von Musikern liefern. Doch am Ende des Tages würde ich bei meinen Releases auf einen reellen Soundtechniker wetten. Wie am Anfang erwähnt, Musik ist ein kreativer und sehr subjektiver Prozess. Da wird mir auch vorerst kein Algorithmus gegen anstinken können.

Was denkt ihr von Landr.com? Haben Euch meine Soundbeispiele überzeugt oder eher abgeschreckt?

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Much Love, Suave.