Einsatzbericht / Review: Pioneer DDJ-SX

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Mit dem Pioneer DDJ-SX ist Ende 2012 endlich eine neue Software- und Controllergeneration eingeleitet worden.  Und mit der brandneuen Fusion der Serato Software Palette ScratchLive und Intro zu Serato DJ war dies auch bitter nötig. Pioneer als Branchenriese hat es sich nicht nehmen lassen und 2012 die Referenz in Sachen Design und Handling vorgestellt. Jetzt nach über einem Jahr auf dem Markt stellt sich die Frage, ob und wie sich der DDJ-SX auch im Alltag durchsetzen kann.

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Der Pioneer DDJ-SX ist exklusive mit dem neuseeländischen Platzhirsch Serato zusammen für ihre neue Software-Generation konzipiert worden. Der SX ist ein auf vier Kanäle ausgelegter Performance-Controller mit integriertem 4-Kanal-Mischpult, sechzehn berührungsempfindlichen Performance-Pads und zwei unabhängigen Effektsektionen. Der Controller ist nicht nur in technischer Hinsicht ein Schwergewicht. Er bringt knapp 6 Kilo auf die Wage. Der SX besitzt mehrere Ein- und Ausgänge, wie Chinch, Klinke und XLR.

Der DDJ-SX besitzt sowohl hardwaretechnisch als auf der Softwareseite einige Einstellungsmöglichkeiten für den individuellen Geschmack des Benutzers – hat aber dafür leider nur ein festes Controller-Mapping mit der DJ-Software von Serato. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, Software von Fremdherstellern zu nutzen, da der Controller midifähig ist.

Aktuell hat Pioneer auch ein offizielles Mapping für Native Instruments Traktor online gestellt. Einen gesonderten Erfahrungsbericht würde ich aber erst in naher Zukunft dazu schreiben (http://goo.gl/QDCAFE).

ddjsxkurzbeschreibung

Der SX ist ein Biest. Beim ersten Anblick erschlägt die Fülle an Funktionen, Drehreglern und blinkenden LEDs den Betrachter. Die Abdeckplatte aus Aluminium ist wunderschön und die einzelnen Bedienelemente aus Kunststoff und gebürstetem Aluminium (Play, Cue & Jogwheel) geben einem direkt das „berühmte“ Pioneergefühl. Gerade die Nutzer der aktuellen Generation von CDJs werden sicher direkt zufrieden sein und loslegen.

ddjsxeinleitung

Um Euch den Controller ein wenig näher zu bringen, werde ich auf die verschiedenen Sektionen der Hardware einzeln eingehen. Es sind einfach zu viele Funktionen und Eindrücke, die im Umgang mit den einzelnen Elementen zusammen kommen. Die technischen Spezifikationen könnt Ihr der offiziellen Seite entnehmen.

ddjsxmixer

Die Mixersektion ist das Herzstück des Controllers. Vier unabhängig zuweisbare Faderkanäle mit Gain-, EQ- und Filterreglern lassen keine Wünsche offen.  Zwischen den vier Kanälen liegt ein eigenständiger Linefader für die Samplerfunktion der DJ-Software. Dieser läuft unabhängig von den anderen Kanälen und kann keiner weiteren Funktion zugewiesen werden.

Die beiden mittleren Kanäle können zwischen PC/Phono und Line als Quelle wählen. Chanel 3 und 4 können mit jeweils einem Mikrofon/PC oder Line Input dienen. Dies ist sicherlich interessant für Live-Acts, Moderatoren und MCs. Hierfür können ein XLR- oder ein Klinke-Eingang genutzt werden.

Die erstaunlichste Eigenschaft ist wahrscheinlich die Tatsache, dass die Mixersektion vollkommen unabhängig von der Software genutzt werden kann. Dafür muss man leider in Kauf nehmen, dass dafür immer auch das Netzteil mit ins Setup eingerechnet werden muss. Es wundert mich nicht, dass Pioneer und Serato diesen technischen Umfang mitliefern, wenn andere Controller eher aus dem Segment Toys’R’Us kommen und mit den neuen Versionen DDJ-SR /SB eher Bedroom-DJ-Setups bedient werden.

Im oberen Drittel der Mixersektion findet sich der Bereich Filterzuweisung und Trackauswahl. Wie auch auf fast allen anderen Knöpfen befinden sich hier intelligente Zweitfunktionen für die vollständige Kontrolle über Eure DVS. Sortierungs-möglichkeiten, Ansichtswechsel und auch die schnelle BPMTap-Funktion über die Vorhörknöpfe sind exzellent gelöst und zeigen wie Usability heutzutage auszusehen hat.

Kommen wir zum Crossfader. Dieser ist individuell einstellbar. Die Crossfader-Curve ist butterweich und knackig. In Hinblick auf Verschleiß kann dieser schnell ausgewechselt werden. Der Crossfader kann allen Kanälen zugewiesen werden. Und beim Dauereinsatz merkt man den Unterschied zwischen Line- und Crossfader deutlich. Bei der Preisklasse hätte ich erwartet, dass auch die Linefader genauso geschmeidig sind. Faderstart wird mit dem entsprechenden Fader und der „Shift“-Taste getriggert. Ich persönlich würde diese Zusatzfunktion aber gerne selber ummodelieren können, z.B. für Effektautomationen oder ähnliches.

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Die EQ-Regler liefern ein hervorragendes Ergebnis. Die Kills sind überaus präzise und haben eine erstklassige Frequenzkurve. Auch bei der Haptik sind die Kunststoffregler erste Wahl, wobei sicherlich auch einige Freunde des Controllerisms auf Regler von Drittherstellern zugreifen werden. Die beliebten Chroma Caps (http://goo.gl/h6TACS) sind  hier bestimmt nützlich, da die Filterknobs sich nicht von den EQ-Reglern sowohl optisch als auch haptisch allzu sehr unterscheiden.

Beim High- und Lowpassfilterregler ist mir aufgefallen, dass dieser nicht „rund“ genug ist. D.h. die Filterkurve endet gerade beim Highpass zu abrupt. Gerade auf den letzten Millimetern bin ich oft gezwungen, mit dem Linefader oder EQ-Regler nachzuhelfen um den gewünschten samtweichen Übergang zu meistern. Im Großen und Ganzen ist dies aber nur ein Luxusproblem und vielleicht ja mit einem Firmwareupdate lösbar.

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Auf den ersten Blick fallen einem die wunderschönen LED-beleuchteten Jogwheels auf. Diese bestehen aus einem Kunststoffteller und einer Aluminiumoberfläche. Das liefert ein hochwertiges Look & Feel beim DDJ-SX. Gerade beim Vergleich mit Controllern der mittleren Preiskategorie wird deutlich, dass man sich auch hier von der Konkurrenz abheben will. Das Jogwheel ist erstklassig, wobei die Präzision von den Latenzeinstellung und den individuellen Einstellung abhängig ist. Gerade Freunde der 900er, 1000er und 2000er Generation werden sich aber 100% wohlfühlen.

Leider ist der motorische Widerstand des Jogwheels nicht konfigurierbar wie auf den oben genannten CDJs. Die Möglichkeit den reellen Widerstand individuell einzustellen fehlt. Dies bedarf meiner Meinung nach definitiv einer Verbesserung für die kommende Generation.

Des Weiteren ist die LED-Anzeige in der Plattersektion anfangs sehr schwammig. Es leuchten stets alle LEDs bis auf zwei Aussparungen auf, welche die Position der virtuellen Nadel sehr undeutlich wiedergeben. Dieses Manko kann aber mit einem Hardwaretrick geändert werden (http://www.youtube.com/watch?v=slgk86vPB0A). Damit stehen dann sechs verschiedene Beleuchtungsmodi zur Verfügung.

Der Pitchfader ist großzügig ausgelegt. Bei einigen anderen Erfahrungsberichten habe ich gelesen, dass eine gewisse Unzufriedenheit was Position und Größe betrifft vorherrscht. Für mich als Nutzer von Technics-Plattenspielern ist aber die Pitchlänge perfekt. Die gewohnte Pioneerpräzision macht sich auch hier auf Softwareseite deutlich. Minimale Korrekturen werden unmittelbar von Serato DJ umgesetzt.

Jeweils auf der linken Seite des Jogwheels befinden sich die Bedienelemente für SYNC (nein, ich werde nicht auf die Diskussion eingehen!), Deckauswahl und Beatgridsettings. Außergewöhnlich ist die Dualdeck-Auswahlmöglichkeit. Wie einige von Euch wahrscheinlich bereits auf diversen Videos gesehen haben, ergeben sich dadurch für den „Controllerist von Morgen“ interessante Möglichkeiten, Mashups und Blends live zu kreieren.

Zwischen der FX-Sektion und dem Jogwheel liegt der Touchstrip mit Needlesearch für den jeweiligen Controller. Diese Designentscheidung ist auch mein größter Kritikpunkt am DDJ-SX. Die Idee ist grundsätzlich gut, bietet aber an dieser Stelle leider eine Fehlerquelle im Liveeinsatz. Nach fünf Stunden Set, in dunkelster Umgebung, muss man sich immer noch hüten, nicht an diesen Streifen zu kommen. Dieser ist nicht beleuchtet und gerade bei Effekteinlagen und spontanen Reglerorgien einfach ein zu großes Risiko. Daumen falsch abgelegt; Kurz nicht nachgedacht; PENG! Der fortlaufende Track wird geskipt.

Solche Fehltritte ein Zeichen dafür, dass „Form-Follows-Function“ stets eine goldene Regel sein sollte (siehe meinen Controllerguide). Dies hätte besser gelöst werden können, bzw. könnte Pioneer von Firmwareseite eine Möglichkeit bieten, den Touchstrip temporär zu deaktivieren. Mein Lösungsvorschlag wäre: Needlesearch auf dem Touchstrip nur mit gedrückten Shift-Key würde mir schon ausreichen (siehe auch folgende Diskussion auf Serato.com http://serato.com/forum/discussion/875101).

Zu guter Letzt findet sich im unteren Bereich der Controller-Sektion die Performance-Sektion mit sechzehn berührungsempfindlichen Pads, die je nach Einstellung mit verschiedensten HotCue-, Remix-, Loop- und Samplefunktionen belegt sind. Wie bereits oben erwähnt, ist hier der Bereich für Djs mit Liebe zum Controllerism. Die Pads sind erstklassig und reagieren vorzüglich. Die Pads wirken sehr hochwertig und werden hoffentlich noch einigen Fingerdrumsessions und Toneplayübungen standhalten. Was mir wieder persönlich negativ aufgefallen ist, ist der Mangel an Einstellungs-möglichkeiten, was LED-Farben und Velocityeinstellungen betrifft. Vielleicht muss ich mich da aber einfach nur noch etwas gedulden.

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Kommen wir zur Effektsektion. Diese ist gewohnt durch vier Knobs und vier Pads steuerbar. Hier gibt es keine Mängel und die mitgelieferten Effekte von Serato DJ sind grundsolide. Leider kosten weitere Effektpakete von Serato nochmals extra. Zwar sind diese von der legendären, hochangesehenen und sicherlich auch tollen Firma Isotope, doch wünsche ich mir, dass bei einem Anschaffungspreis von knapp 1000,-€ solche Goodies integriert sein sollten. Bzw. wäre ich bereits zufrieden, wenn Serato die Schnittstelle der Effektsektion für VST-Plugins frei geben würde. Naja… Ich darf ja wohl noch träumen, oder?

ddjsxfazit

Das DDJ-SX und seine fast nahtlose Implementierung von Serato war für mich beim Erscheinen der Hardware ein persönlicher Meilenstein. Für mich als passionierten Plattenschupser, welcher Ende der 90er mit Vinyl anfing, dann im Jahre 2005 auf Serato Scratch Live umstieg und jetzt den nächsten Schritt in die Zukunft wagen will, ist das Pioneer DDJ-SX die erste reelle und preiswerte Alternative zu einem klassischen CDJ Setup. Das integrierte Mischpult ist erstklassig verarbeitet, die Playersektion ist bis auf die beschriebenen Mängel durchaus konkurrenzfähig und der Workflow am „Arbeitsplatz“ wird mit dem DDJ-SX wesentlich verbessert.

Das will nicht heißen, dass das DDJ-SX einem DJ die Arbeit vereinfacht, sondern im Gegenteil: Die neuen Möglichkeiten mit der beschriebenen Dualdeck, Sample-, Loop- und Effektsektion eröffnen einem altbackenen Two-Turntables-DJ neue Horizonte. Positiv hierbei ist auch die neue offizielle Implementierung von Native Instruments Traktor. Ich selber werde zwar noch einige Testläufe auf Traktor starten, bevor ich mich dazu direkt äußern werde, aber allein die Einbindung der Sample-Decks ist wahrscheinlich eine reizvolle Alternative  für DDJ-SX Besitzer.

Die Haptik und die Verarbeitung sind anstandslos gut. Die Softwareeinbindung ist bis auf die beanstandeten Modifizerungs-möglichkeiten fast perfekt. Und im Liveeinsatz jetzt über die letzten Monate kann ich nur sagen, dass bis auf einige Probleme mit der Software und „korrupten“ MP3s das DDJ-SX mir tierisch ans Herz gewachsen ist. Gerade für den mobilen Einsatz in kleinen Clubs, die (leider) keine entsprechende Hardware vor Ort haben, oder für außergewöhnliche Veranstaltungen wie Firmenevents oder Konzertgigs ist es perfekt. Und ich denke, dass mit der Qualität des Controllers auch nun endlich die vereinzelten Venues positiv reagieren werden, wenn der DJ mit einem solchen Controller ankommt und nicht mit den besagten „Toys-R-Us“-Modellen einiger Konkurrenzfirmen.

Persönlich sehne ich mich beim Pioneer DDJ-SX aber nach einer MK2 Version für die kommenden Monate. Verbesserte Jogwheels und die Umgestaltung der Needle-Search sind Pflicht und sollten bei Pioneer hoch auf der To-Do-Liste stehen, ansonsten werden einige Käufer zur Konkurrenz wechseln. Und das wollen die ja sicherlich nicht 8)

Und falls Ihr zum Abschluss des Reviews eine Schulnote oder ähnliches erwartet, werde ich Euch enttäuschen müssen. Ich will mir dies einfach nicht rausnehmen. Da ich weder die Konkurrenz ausgiebig testen durfte, noch die Zeit dafür habe, wollte ich keinen klassischen Test schreiben, sondern einfach nur meine Gedanken nach ca. vier Monaten Dauereinsatz wiedergeben. Falls ihr vor einer Kaufentscheidung stehen solltet, könnt ihr aber auch gerne mal meinen Controllerguide lesen.

Lieben Dank und ich freu mich, wie immer über Kommentare!

Links:

Pioneer DDJ SX – Support Traktor
(http://pioneerdj.com/support/product.php?lang=en&p=DDJ-SX&t=179)

DJ Techtools Chroma-Caps
https://store.djtechtools.com/products/chroma-caps-knobs-and-faders

Pioneer DDJ-SX Tutorial Videos

http://www.youtube.com/watch?v=YT1fG4YiwZ8

Quellen:

Die Bilder sind unfreundlicherweise alle der Pioneerdj.com Seite (http://goo.gl/Ebcgv3) entnommen und bearbeitet worden. Bitte nicht verklagen 8)