Controller Guide || Für Anfänger und Einsteiger

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Wenn man sich die eingängigen Foren und Blogs durchliest, sind die Tops und Flops für die fortgeschrittenen DJs im Controller Bereich bereits festgesetzt.  Dennoch bekomme ich oft Anfragen, bzgl. einem Leitfaden für den ersten Equipment Einkauf – CDJs, Controller oder Vinyl? Was muß ich heutzutage beachten? Daher will ich mich heute erstmal dem Controller widmen. Dieses Feld ist aus meiner Sicht aktuell das komplizierteste für den DJ Einsteiger.

Mein erster Kontakt mit einem Controller kam kurz nach dem Einstieg ins DVS-Leben mit Serato Scratch Live. Ich benötigte einen Controller, welcher mir die Arbeit am Notebook vereinfachte. Nach einigen Testläufen wusste ich, ein Trigger-Finger muss her. Langlebige Pads und viele Knobs waren von Vorteil für Samples, Effekte und Cuepunkte. Einige Zeit später besorgte ich mir einen gebrauchten Vestax VCI 100 SE,  um gerade im Heimstudio Ideen und Snippets zu realisieren. Hierbei fiel für mich vor allem die langjährige Hürde zwischen den Softwarelösungen Traktor und Serato.

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Die Entscheidung zwischen Traktor und Serato ist sicherlich auch das größte Dilemma für den Controllerkauf heute – Fisch oder Fleisch? Heute bilden die beiden Hersteller die Spitze der DV-Systeme. Natürlich gibt es gute Alternativen, doch aus rein eigener  Erfahrung, kann ich nur die beiden in direkten Vergleich stellen.

Serato ist ein sogenannter Sureshot. Anschließen – glücklich sein. Seit über acht Jahren nutze ich die SL1 fast jeden Tag und für mich ist es in dieser Kategorie einfach ungeschlagen.

Traktor dagegen ist – mit der nötigen Einarbeitung – ein sehr sehr mächtiges Instrument. Es ist einfach mehr „out-of-the-box“ als Serato, flexibel und komplex. Dafür aber auch anfälliger für Benutzerfehler.

Im Prinzip müsst ihr euch also die Frage stellen, wieviel Zeit und Know-How möchte ich in mein Setup investieren? Mit welchem System sind meine Bedürfnisse abgedeckt und was traue ich mir als DJ überhaupt zu?

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Als nächstes geht es um die Frage des praktischen Einsatzes des DJ Equipments. Im digitalen Zeitalter ist die wichtigste Frage, wieviel Peripherie möchte man als DJ mitschleppen? Es gibt kompakte „All-In-One“-Lösungen, aber auch kostenintensive Workstations, die Alles und Jeden bewältigen können. Wenn man sich zum Beispiel die aktuelle Produktpalette anguckt, fällt einem auf, daß für jedes Budget zwischen 200,- € bis über 1000,- € etwas vorhanden ist. Seid euch aber bewußt: Nicht der Preis des Equipments macht am Ende die gelungene Party oder das einmalige Set aus, sondern der bewußte Umgang mit der Hardware.

So solltet ihr Euch definitiv überlegen, ob und wie ihr zum Beispiel vier Kanäle im Live-Einsatz überhaupt einsetzen wollt. Fast jedes Flaggschiff der verschiedenen Hersteller bietet vier Kanäle zum Mixen. Realistisch gesehen benötigen DJs aber nur zwei. Wieso also die Kanäle in Anspruch nehmen? Für Live-Remix-Action? Für komplexe Minimal-Techno-Sets? Es gibt keine klar definitierte Grenze zwischen den Möglichkeiten, aber es ist sicherlich ein Preisunterschied von bis zu mehreren Hundert Euro.

Des weiteren ist die Frage ob der Controller eine integrierte Soft- und Hardware Lösung sein soll. Viele Controller besitzen mittlerweile hochwertige Soundkarten und mit der zunehmenden Verbreitung von 320k/bit MP3s und dem damit wachsenden Datenvolumen ist dies sicherlich eine Bereicherung. Doch gerade Traktor bietet mit dem Routing der MacBook internen Soundkarte genug „Auflegepower“ um eine Geburtstagsparty zu bespaßen. Wer vorhören will, braucht dann nur noch eine externe Soundkarte. Will man aber komplexe Sets mit Filtereffekten, Scratches und Loops kombinieren, sieht die Sache ganz anders aus. Es gibt modulare Lösungen für den variablen Einsatz oder auch akribisch durchdachte All-in-One Lösungen mit Soundkarte und entsprechender Schnittstelle zu den gängigen Programmen.

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Kommen wir zur Optik, Haptik und zum Verschleiß. Gerade in der DJ-Hardware bestehen leider genau in diesem Punkt die meisten gravierenden Unterschiede. Bei der Optik legen die Hersteller gerne ihren Schwerpunkt auf Kunststoff und LEDs. „Form-follows-Function“ ist wahrscheinlich einer der meist gelesenen Design-Zitate, doch leider schaffen es manche Hersteller die Controller zu überlasten. Kunststoff ist verformbar und bricht sehr gerne. Dies wird an lockeren Potis, Fadern, USB-Anschlüssen und weiteren „Verschleißelementen“ sehr oft deutlich. Die Beleuchtung beim Ausgangspegel ist heute noch bei einigen Controllern mangelhaft. Als DJ braucht man präzises Feedback vom Equipment und wenn die Lautstärke nur über einig lieblose LEDs angezeigt wird, reicht dies nicht zum ausgewogenen Auspegeln der Lautstärke.

Das gleiche Problem gilt bei der Haptik. EQ-Drehregler, Fadercaps und die CUE/Play Buttons sind die meistgenutztesten Bedieneinheiten eines Controllers. Diese müssen griffig und langlebig sein. Als DJ muß der Impuls sich direkt übertragen auf die Steuerungseinheit. Es darf zu keinen „Ausrutschern“ kommen. Deshalb rate ich auch zu einem ausgiebigen Test der verschiedenen Controller. Sobald einzelne Knöpfe schlecht zu bedienen sind, geht davon aus, daß Ihr auch diese immer weniger nutzen werdet.

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Geht in den Laden, lasst euch nicht von den unterschiedlichen Marken und Namen beeindrucken. Probiert die Dinger aus und versucht ein Gefühl für die Oberfläche zu bekommen. Jeder Händler sollte euch eine mind. 30-tägige Rückgabe bzw. Wiederrufsrecht garantieren (zum Beispiel bietet elektronik-star.de ein breites Spektrum an Einsteiger-Controllern an) . So könnt ihr mit einem günstigen Model euch anfreunden und bei Nichtgefallen gegen ein höherwertiges eintauschen. Zum Beispiel der Resident DJ Kontrol 3. Hierbei könnt ihr nix falsch machen. Mit integrierter Soundkarte und Metalgehäuse seid ihr immer auf der sicheren Seite und im Club Einsatzbereit. Ich persönlich finde aber auch tierisch Gefallen an dem Novation Twitch. Meiner Meinung nach ein sehr gut durchdachter Controller für Serato in der Mittelklasse.

Am Ende gilt aber immer:  Jedem das Seine. Viel Spaß beim Einkauf und schreibt mir in die Kommentare, falls Euch der Guide weitergeholfen hat. Freu mich!